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Pilz des Monats August 2026 – Braunblättriger Helmlings-Nabeling (Phloeomana clavata)

Heute versuche ich es wieder einmal als Pionier der deutschen Namensfindung von Pilzen. Die sonst „nur“ als Braunblättriger Helmling bekannte Art gehört wie die anderen Vertreter der noch relativ jungen Gattung heute nicht mehr in die nahe Verwandtschaft der Helmlinge im engen Sinne (Mycena s.str., Mycenaceae – mit so gut wie immer deutlich amyloiden Sporen), sondern wie die andere in neuerer Zeit abgespaltene Gattungen mit nicht-amyloiden Sporen, Atheniella (derzeit laut mycobank Marasmiaceae) zu einer anderen Familie, in unserem Falle zu den den Porotheleaceae, zu der als lamellige Vertreter u.a. auch die (teils durchaus ähnlichen) Wasserfüße (Hydropus), Holzrüblinge (Clitocybula) der Breitblättrige Holzrübling (Megacollybia platyphylla, auch Clitocybula p.) und der Gelbblättrige Nabeling (Gerronema strombodes – der war auch schon einmal Pilz des Monats) gehören – die namengebende Gattung Porotheleum (mit der einzigen Art P. fimbriatum, schnell geoogelt deutsch Gefranster Becher-Rindenpilz) hat eine ganz andere Wuchsform und ist ein resupinater cyphelloider Sammelfruchtkörper (pileate solche sind u.a. der Spaltblättling und der Leberreischling, die wie alle cyphelloiden Plize heute zu den Agaricales gehören). Die relativ heterogene Familie hat (wie auch die Helmlinge) eine Cutis (radial verlaufende liegende Hyphen) aus Huthaut, ein Unterschied ist z.B. die Lamellenschneide, die bei Mycena meist völlig steril (nur Cheilozystiden), bei Phloeomana (und auch anderen Vertretern der Familie meist) heterogen. Phloeomana-Arten sind makroskopisch durch ziemlich kleine Fruchtkörper und meist breit angewachsene, oft auch herablaufende Arten und helle bis graue oder braune Farben charakterisiert, häufigste Art ist der Bogenblättrige Helmlings-Nabeling (P. speirea – deutscher Namen s.o.!), die auch bei uns fast in jedem vor allem etwas feuchteren Laubwald gefunden werden kann und die auch der klare Doppelgänger des heutigen Pilz des Monats ist.

Der vorgestellte Fund gelang mir während des Sommerpilze-Seminares vor wenigen Wochen in Ruppertshofen und es war durchaus einer von relativ wenigen frisch gefundenen Lamellenpilzen. Da es sich nur um wenige frische Fruchtkörper handelte und ich sie unbedingt sicher heimbringen wollte, brachte ich sie auch nicht in die Pilzbesprechung (die am Kursende im Wald statt fand) ein. Es handelt sich dabei um den ersten Nachweis im Osten von Baden-Württemberg, bisher war mir die Art vorher von Funden aus einem tschechischen Urwaldrest (vgl. Foto!), aus einem Urwaldrest im Bayerischen Wald („Mittelsteighütte“ bei Zwieselerwaldhaus) sowie aus den französischen Seealpen und aus Zentral-Schweden bekannt.

Phloeomana clavata CS Sofin 5 17.13.9. Custom
Braunblättriger Helmlings-Nabeling (Phloeomana clavata, vormals Mycena phaeophylla) am 13.09.2017, Tschechien, Urwaldrest Zofin, an liegendem Picea-Stamm in Urwaldrest, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner (bei gemeinsamer Erhebung mit anderen Pilz-Spezialisten). 
Phloeomana clavata Weiler i.d.B. Kolt 26.21.06. Folie 1
Braunblättriger Helmlings-Nabeling (Phloeomana clavata, vormals Mycena phaeophylla) am 21.06.2026 im Waldgebiet "Költ" bei Schwäbisch Gmünd-Weiler i.d. Bergen (MTB 7225/1, 444 m NN, GPS: N48°46'25.06" E9°52'52.71"), an noch anheftender, nach längerer Trockenheit noch feuchter Borke von in Bach liegendem Stumpf von Weißtanne (Abies alba), wenige Fruchtkörper, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner (bei Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner) - beachten Sie die relativ kurzen Stiele, die breit angewachsenen, relativ entfernten Lamellen, die bereiften Hüte und Stiele, den basalen weißen Myzelfilz und nicht zuletzt den deutlichen Braunton in den Lamellen.
z Phloeomana clavata Weiler i.d.B. Kolt 26.21.06. Folie 2
Braunblättriger Helmlings-Nabeling (Phloeomana clavata, vormals Mycena phaeophylla) am 21.06.2026 im Waldgebiet "Költ" bei Schwäbisch Gmünd-Weiler i.d. Bergen (MTB 7225/1, 444 m NN, GPS: N48°46'25.06" E9°52'52.71"), an noch anheftender, nach längerer Trockenheit noch feuchter Borke von in Bach liegendem Stumpf von Weißtanne (Abies alba), wenige Fruchtkörper, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner (bei Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner) - beachten Sie die breit ellipsoidischen, fast subglobosen Sporen sowie die 2-sporigen Ständer (so auch bei P. speirea)
z Phloeomana clavata Weiler i.d.B. Kolt 26.21.06. Folie 3
Braunblättriger Helmlings-Nabeling (Phloeomana clavata, vormals Mycena phaeophylla) am 21.06.2026 im Waldgebiet "Költ" bei Schwäbisch Gmünd-Weiler i.d. Bergen (MTB 7225/1, 444 m NN, GPS: N48°46'25.06" E9°52'52.71"), an noch anheftender, nach längerer Trockenheit noch feuchter Borke von in Bach liegendem Stumpf von Weißtanne (Abies alba), wenige Fruchtkörper, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner (bei Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner) - beachten Sie die Form der Cheilozystiden, die unterbrochen (heterogen!) an der Lamellenschneide stehen. Bei den Fotos von Quetschpräparaten sieht man die Zystiden ganz - und ihre Flaschenform (Bauch mit abgesetzter Spitze). 
z Phloeomana clavata Weiler i.d.B. Kolt 26.21.06. Folie 4
Braunblättriger Helmlings-Nabeling (Phloeomana clavata, vormals Mycena phaeophylla) am 21.06.2026 im Waldgebiet "Költ" bei Schwäbisch Gmünd-Weiler i.d. Bergen (MTB 7225/1, 444 m NN, GPS: N48°46'25.06" E9°52'52.71"), an noch anheftender, nach längerer Trockenheit noch feuchter Borke von in Bach liegendem Stumpf von Weißtanne (Abies alba), wenige Fruchtkörper, leg., det., Fotos Lothar Krieglsteiner (bei Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner) - beachten Sie die zahlreichen abstehenden Zellen der Huthaut, die (vor allem bei den unteren Bildern zu sehen) oft eine angedeutet knorrig-korallenartige Form aufweisen. Das inkrustierte Pigment konnte ich nur sehr schwach nachweisen, es ist auf den Fotos rechts nur zu erahnen.

 

Wie nun unterscheidet sich die Art von P. speirea? Zunächst einmal sagt schon der deutsche Name (früher Braunblättriger Helmling), dass die Lamellen-Farbe bei P. clavata meist mehr Farbe hat als bei P. speirea, dort sind die Lamellen weiß oder hellgrau. Auch die Hutfarbe ist meist brauner, weniger grau, als es bei P. speirea (meist) der Fall ist. Dazu kommt das Substrat: während P. speirea meist (immer?) an Laubholz-Substraten gefunden wird (oft an Erle oder Weide an feuchten Standorten, aber auch sehr häufig z.B. an Buche), scheint P. clavata zumindest sehr überwiegend auf Nadelholz-Substrate angewiesen zu sein, beim vorliegenden Fund war es Weißtanne (Abies alba).

Hinzu kommen mikroskopische Merkmale. Die Sporen von P. clavata sind rundlicher, breiter, mit geringerem Sporen-Quotient als die verlängerteren von P. speirea. Die bei beiden Arten sehr variablen Cheilozystiden sind deutlicher in Bauch und Hals gegliedert bei P. clavata (oft lageniform). Dazu kommen Merkmale in der Huthaut. Das inkrustierte Pigment der P. clavata habe ich bei dieser Aufsammlung nicht gut sehen können, dafür aber die deutlicheren oft etwas coralloiden Huthaut-Endzellen, die für die Art typisch sind.

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