• Slide Nummer 0
  • Slide Nummer 1
  • Slide Nummer 2
  • Slide Nummer 3
  • Slide Nummer 4
  • Slide Nummer 5
  • Slide Nummer 6
  • Slide Nummer 7
  • Slide Nummer 8
  • Slide Nummer 9
  • Slide Nummer 10
  • Slide Nummer 11
  • Slide Nummer 12
  • Slide Nummer 13
  • Slide Nummer 14
  • Slide Nummer 15
  • Slide Nummer 16
  • Slide Nummer 17
  • Slide Nummer 18
  • Slide Nummer 19
  • Slide Nummer 20
  • Slide Nummer 21

 Pilz des Monats Februar 2026 – Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae)

Als ich heute kurz entschlossen diesen Rötling (den wir schon vor Jahren in Norwegen fanden, s.u.) als Pilz des Monats auswählte, googelte ich natürlich erst einmal den deutschen Namen und fand als zentralen Netz-Vorschlag „Nacktstieliger Rötling“. Nun – warum der Stiel von E. fernandae nackter sein soll als der der großen Mehrzahl aller anderen Rötlingsarten, erschleßt sich mir nicht (oder anders ausgedrückt: nichtssagender kann ein deutscher Pilz-Name kaum sein). Bei Erhard Ludwig (Pilzkompendium Band 2) lese ich nun den obigen durchaus gut passenden deutschen Namen. Auf die Schnelle habe ich leider nicht herausgefunden, wer Fernanda war, zu deren Ehren der Pilz im Original durch Romagnesi (1936, als Rhodophyllus fernandae) beschrieben wurde; vielleicht kann mich jemand aufklären?

Der hier vorgestellte Fund ist mein erster und bisher einziger dieser Art – sie scheint zumindest überall dort, wo ich so normalerweise Pilze sammle, nicht häufig zu sein. Rötlinge sind nämlich durchaus eine Gattung, aus der ich schon seit Jahrzehnten immer wieder Proben mitnehme und (nicht immer erfolgreich) zu bestimmen versuche (oder anders ausgedrückt: ich habe bezüglich dieser Gattung eigentlich wenig Berührungsängste). So gibt es z.B. aus Baden-Württemberg (zumindest bis 2003 – Pilze Baden-Württembergs Band 4) für E. fernandae nur einen Nachweis, und der stammt aus einem ausgesprochenen, vom Aussterben bedrohten Sonder-Habitat, nämlich einem flechtenreichen Silbergrasrasen aus nährstoffarmem Sandboden der nördlichen Oberrheinebene (Finder W. Winterhoff 1987). Beim Nachschlagen auf der Website pilze-deutschland finde ich diese Situation wenig verändert (jetzt sind es 2 benachbarte Fundpunkte).

Ganz anders die Bewertung bei Ludwig (s.o.), der die Art „ziemlich häufig“ nennt – aber Ludwig lebte und wirkte auch in Berlin (und reiste öfter nach Schweden), wo sich die Situation anders darstellt (auch auf pilze-deutschland gibt es nach Norden und vor allem Nordosten hin mehr Fundpunkte) – immerhin schreibt Ludwig aber auch, der Pilz wachse „auf armen, sandigen oder torfigen Böden“ (und zwar „an lichten Stellen in Nadelwäldern, auf Heiden, Viehweiden, an Waldwegrändern, oft zwischen oder an Moosen“). Eine banale Art also für E. Ludwig (und vielleicht auch für andere Pilzkenner, die in diesen Regionen leben) – auch wenn ich mir sicher bin, dass auch in Brandenburg und selbst in Skandinavien die geeigneten Standorte immer weniger werden, denn „arme Böden“ gibt es nur noch dort nennenswert, wo die heute fast allgegenwärtige Überdüngung noch nicht in hohem Maße angekommen ist. Dass ich an meiner eigenen Bestimmung als E. fernandae lange zweifelte, lag vor allem an der Tatsache, dass E. fernandae nach Noordeloos (Fungi Europaei) nicht wie bei unserem Fund in Torfmoos-Rasen wachsen würde (wohl weil die Art trockenere Standorte bevorzugt) – eben lese ich aber auch bei Ludwig, dass Gröger dies schon widerlegt hatte.

Entoloma fernandae NOR Trillemarka Rollagsfjell 22.23.07. Folie 1
Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae) am 23.07.2022 bei Nedre Eggedal, Kopseng (Norwegen, Viken, Rand des Naturreservat Trillemarka-Rollagsfjell (712 m NN, GPS: N60°9'59.36" E9°13'53.14"), zwischen Toffmoos (Sphagnum spec.)  am Rand von hochmoorartigem Habitat zu nährstoffarmem, trockene(re)m Kiefernwald auf saurem Boden, in Wegnähe, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Kai Reschke anhand von Bildmaterial im Januar 2026. Beachten Sie den glockigen Habitus ("helmlingsartig"), der in Untergattung Nolanea weist, den nicht ganz glatten, graubraunen Hut und die faserige Stieloberfläche sowie de Standort im Torfmoos-Rasen.
z Entoloma fernandae NOR Trillemarka Rollagsfjell 22.23.07. Folie 2
Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae) am 23.07.2022 bei Nedre Eggedal, Kopseng (Norwegen, Viken, Rand des Naturreservat Trillemarka-Rollagsfjell (712 m NN, GPS: N60°9'59.36" E9°13'53.14"), zwischen Toffmoos (Sphagnum spec.)  am Rand von hochmoorartigem Habitat zu nährstoffarmem, trockene(re)m Kiefernwald auf saurem Boden, in Wegnähe, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Kai Reschke anhand von Bildmaterial im Januar 2026 - Beachten Sie die heterodiametrischen, relativ kleinen und meist ausgeprägt eckigen Sporen.
z Entoloma fernandae NOR Trillemarka Rollagsfjell 22.23.07. Folie 3
Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae) am 23.07.2022 bei Nedre Eggedal, Kopseng (Norwegen, Viken, Rand des Naturreservat Trillemarka-Rollagsfjell (712 m NN, GPS: N60°9'59.36" E9°13'53.14"), zwischen Toffmoos (Sphagnum spec.)  am Rand von hochmoorartigem Habitat zu nährstoffarmem, trockene(re)m Kiefernwald auf saurem Boden, in Wegnähe, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Kai Reschke anhand von Bildmaterial im Januar 2026 - Beachten Sie bei den Fotos in Kongorot die Basidien-Basis ohne Schnallen sowie die meist 4-sporigen (Mitte rechts von oben, unten links nur 3 Sterigmen sichtbar), gelegentlich auch 2-sporigen Ständer,
z Entoloma fernandae NOR Trillemarka Rollagsfjell 22.23.07. Folie 4
Rauscheiteliger Glöckling (Entoloma fernandae) am 23.07.2022 bei Nedre Eggedal, Kopseng (Norwegen, Viken, Rand des Naturreservat Trillemarka-Rollagsfjell (712 m NN, GPS: N60°9'59.36" E9°13'53.14"), zwischen Toffmoos (Sphagnum spec.)  am Rand von hochmoorartigem Habitat zu nährstoffarmem, trockene(re)m Kiefernwald auf saurem Boden, in Wegnähe, leg. Katharina & Lothar Krieglsteiner, det., Fotos Lothar Krieglsteiner, conf. Kai Reschke anhand von Bildmaterial im Januar 2026 - Beachten Sie das stark inkrustierende Pigment in weiten Teilen der schnallen-freien Huthaut (vom Typ Cutis mit Übergang zum Trichoderm) sowie das zusätzlich intrazelluläre Pigment (unten rechts).

 

Eigentlich ist E. fernandae eine ziemlich prägnante Art. Für einen Vertreter der Untergattung Nolanea („Glöcklinge – Rötlinge mit kegeligen Hüten und „Helmlings-Habitus“) hat die Art in der Tat einen relativ aufgerauten Hut, insofern ist der von Ludwig und hier gewählte deutsche Name durchaus zumindest passender als der mit dem nackten Stiel. Unter dem Mikroskop ist dann nahezu ein Alleinstellungsmerkmal (es gibt allerdings einige wenig bekannte Satelliten-Arten), dass die Art weder an den Basidien noch an anderen Hyphen Schnallen trägt, ein nicht immer ganz leicht festzustellendes Merkmal. Interessanterweise kann man sagen, dass graubraune, unauffällig gefärbte Rötlinge meist Schnallen haben, während blaue Rötlinge von einer eher kleineren Gruppe abgesehen meist schnallenlos sind. Dazu kommt bei E. fernandae der faserige (nicht polierte) Stiel, ein stark inkrustierendes Huthaut-Pigment neben weniger ausgeprägtem intrazellulärem (vgl. Tafel 4) sowie die relativ kleinen, mittel heterodiametrischen Sporen mit meist relativ ausgeprägten Ecken.

Der Fundort in Skandinavien lag im Übergangsfeld eines sauren Hochmoor-Standortes zu trockenem Kiefernwald, nahe eines Wegrandes, aber inmitten eines Torfmoos-Rasens (Sphagnum spec.). Ich bin gespannt, ob es bis zu einer weiteren Skandinavien-Fahrt dauert, bis ich die Art wieder einmal finden werde, oder ob sie doch auch einmal hier „zu Hause aufschlägt“.


Pilz des Monats Januar 2026 – Blauer Nabeling (Blaugrüner Nabeling, Blaugrüner Adermoosling, Arrhenia chlorocyanea)

Schon der letzte Pilz des Monats (Dezember 2025, Leucangium carthusianum) war ein bemerkenswerter Fund eines Seminar-Teilnehmers, und der nun vorgestellte Fund ist nicht weniger sensationell. Diesmal war der Finder Kurs-Teilnehmer Marwin Stelzer, der mir am Ende des Saftlings-Seminars auf der Rückfahrt zum Seminar-Raum erzählte, er habe neben den bereits besprochenen Pilzfunden auch noch einen ganz kleinen blauen Nabeling gefunden. Ich war sofort ziemlich aufgeregt, denn wie im Falle von Leucangium carthusianum ahnte ich auch diesmal, was dann noch kommen würde. Marwins Fund bestand nur aus einem zunächst gesehenen Fruchtkörper, an dessen Basis noch ein winziger weiterer Pilz angeheftet war, was ich erst unter dem Bino (am nächsten Tag zu Hause) entdecken sollte. Die gezeigten Fotos sind auch alle Studio-Fotos – Marwin hatte den Pilz zwar draußen auch schnell photographiert (deswegen gibt es auch exakte GPS-Daten), aber die Standortfotos sind nicht ganz scharf geworden.

Wie Leucangium carthusianum gehörte auch Arrhenia chlorocyanea zu den Pilzen, die schon länger weit oben auf meiner Wunschliste der Arten, die ich gerne einmal in Händen halten wollte, standen. Marwins Fund hat diesen Wunsch nun erfüllt. Dass A. chlorocyanea zwar sicher leicht übersehen wird, aber auch zumindest in unserer Region sehr selten ist, wird schon dadurch deutlich, dass es sich um einen Zweit-Nachweis für Baden-Württemberg zu handeln scheint. G.J. Krieglsteiner (Die Großpilze Baden-Württembergs Band 3, 2000) erwähnt nur den einen Fund von Helmut Schwöbel von vor 1970 aus dem Kraichgau (Baden), „Haargersten-Buchenwald auf basischem Boden“ (als Omphalina chlorocyanea). Mehr Funde gibt es nur im Westen und vor allem Norden Deutschlands, wo die vermutlich ozeanisch verbreitete Art eher auf sauren, nährstoffarmen Böden gefunden wird, in ähnlichen Habitaten wie beim hier vorgestellten Fund. Die von Marwin Stelzer gesammelte Probe stammt aus einer Saftlingswiese, einer bodensauren Magerwiese (tendeziell Gentiano-Koelerietum agrostietosum), und dort von einer lückig bewachsenen, von Moosen und Basalthalli von Becherflechten (Cladonia spec.) bewachsenen Stelle. Die Anwuchs-Stelle der zwei Fruchtkörper ist auf der gezeigten Tafel unter links zu sehen).

Arrhenia chlrocyanea GD Unterbettringen Lindenfeld leg. M. Stelzer 25.16.11. Folie 1
z Arrhenia chlrocyanea GD Unterbettringen Lindenfeld leg. M. Stelzer 25.16.11. Folie 2
Blauer Nabeling (Blaugrüner Nabeling, Blaugrüner Adermoosling - Arrhenia chlorocyanea) am 16.11.2025 im NSG "Lindenfeld" bei Schwäbisch Gmünd-Unterbetrringen, Ostalbkreis, Baden-Württemberg . Stuttgart) 463 m NN, GPS: N48° 46' 25.7268'' E8° 51' 9.4392'', MTB 7225/1, an lückiger Stelle mit acrocarpen Moosen und Basalthalli von Becherflechten (Cladonia spec.) in saurer Magerwiese (ca. Gentiano-Koelerietum agrostietosum), 2 Frk., leg. Marwin Stelzer bei Pilzkurs mit Lothar Krieglsteiner, det. Marwin Stelzer & Lothar Krieglsteiner, mikr. und Fotos Lothar Krieglsteiner - Beachten Sie in der ersten Tafel die Anwuchsstelle unten links, wo Cladonia-Schuppen zwischen Moosrasen und Gras zu sehen sind. Die Mikrotafel zeigt die typischen Arrhenia-Sporen sowie 4sporige Ständer mit Schnallen, teils in KOH, überwiegend in Kongo-NH3 präpariert). Fotos der Huthaut mit inkrustirerendem blauen Pigment werden später nachgereicht.

 

 Auf pilze-deutschland findet man Fotos von Karl Wehr, bei denen gut zu sehen ist, dass die Fruchtkörper von A. chlorocyanea ebenfalls inmitten von Cladonia-Rasen fruktifizieren. Weitere Darstellungen im Netz zeigen das Vorkommen der Art in der Regel an sauren Pionierstandorten über Sandböden, gemeinsam mit bodenbewohnenden Flechten und acrocarpen Moosen. Wovon die Art genau lebt, ist vermutlich noch nicht genügend geklärt. Innerhalb der Gattung ist sowohl die bryophile Lebensweise (Adermooslinge, Torfmoos-Nabelinge u.a,) als auch die lichenicole Lebensweise (z.B. Schildflechten-Nabeling Arrhenia peltigerina) bekannt. Auch die Frage, ob es sich um Parasitismus oder möglicherweise Symbiose handelt, ist ungeklärt. Nahe verwandt sind auch Nabelinge, die selbst Flechten sind (Lichenomphalia).


 

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

2020

2021

2022

2023

2024

2025

 

 

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.